Nach spontaner Entscheidung am Freitag - der Wetterbericht meldete formidables Bergwetter - ging's in aller früh 'gen Süden. In Österreich traute sich vor Sonnenaufgang nur der
Nebel ins Tannheimer Tal. Vom wohl auch sonst verschlafenen Hinterhornbach startete ich gegen 6.30 die Tour, welche in meiner Literatur wie folgt beschrieben wird: "
Der Hochvogel ist (...) der eleganteste und dank der isolierten Lage der auffallendste Gipfel dieses Gebirges. Üblicherweise wird er aus dem Allgäu über das Prinz-Luitpold-Haus bestiegen. Doch von Hinterhornbach führt eine noch viel spannendere Route zum Gipfel, der Bäumenheimerweg, der jedoch Kondition und viel alpine Erfahrung erfordert. Mit dem Rückweg durchs Fuchskar wird das Unternehmen zu einer richtig großen Bergtour". Zusammen mit dem Hinweis, dass die Tour aufgrund des "
sehr hohen Fels-, Schrofen und Geröllgrats" die anspruchvollste des gesamten Führers sei, war die Entscheidung bezüglich der Aufstiegsvariante klar :)
Erst nach einer ganzen Weile präsentierte sich der bis dahin verborgene
Hochvogel im ersten Morgenlicht. Ich musste etwas schlucken, als Alleingänger kam hier in der totalen Stille und Einsamkeit eine ordentliche Portion Respekt auf, vor allem als klar wurde dass der Aufstieg über den Südgrat erfolgt (links in obigen Bild). Knapp 1.000 Höhenmeter später erreichte ich den Einstieg in den Bäumenheimer Weg, der vor über 100 Jahren von einem Industriellen "errichtet" wurde. Zwischenzeitlich war ich auf ein älteres Paar aufgelaufen; zusammen zogen wir uns Helme und Handschuhe an und ich stieg als erster hinauf. Der Verlauf war hervorragend gekennzeichnet und doch musste ich aufpassen, mich nicht zu versteigen. Links und rechts gab es hier nämlich kein Pardon. Angesichts der Tiefblicke und Herausforderung setzte ich ein
souveränes Pokerface auf; Konzentration auf den sicheren Tritt und die nächste Markierung. Irgendwann stieß ich auf
Aspiranten über mir. Mitten in einer kniffeligen Stelle piepste plötzlich mein GPS - ich war verwirrt, es wies die Distanz zur Dose mit 15 Metern aus (in der Horizontalen allerdings ;)). Genauso überrascht war ich, als ich mich kurz darauf über eine weitere Kante zog - und plötzlich am Gipfelkreuz stand! Auch meine
"Nachsteiger" erreichten wenig später den Ausstieg und Gipfel. Und so konnte ich dann, nach
3,5 Stunden Aufstieg für die 1.500 Höhenmeter auf 2,5 km zum Auto im Tal, dabei hielten die letzten 500 Metern Luftlinie fette 600 Höhenmeter bereit, meine
1.000 (eintausendste) Dose in den Händen halten!
Stolz verfasste ich ein
kurzes Meilensteinlog und lies es mir nicht nehmen, auch im Gipfelbuch zu stempeln ;) Auf dem Gipfel herrschte unter den noch wenigen Gipfelstürmen eine
tolle Morgenstimmung. Windstille und T-Shirt-Wohlfühlwetter auf 2.592 Metern! Es war etwas diesig, aber die Tiefblicke, z.B. in verwirrender Perspektive zum knapp
750 Meter tieferliegenden Prinz-Luitpold-Haus, waren beeindruckend. Auch die Teile des abgestürzten US-Bombers konnte ich finden. Über den ebenfalls bröseligen, aber weit weniger ausgesetzten und anspruchsvollen, aber dennoch
Aufmerksamkeit erfordernden Normalweg stieg ich hinab in den Sattel zwischen Hochvogel und Kreuzspitze. Durch den wohl zurecht so genannten
Kalten Winkel, wo ich mir dann doch meine Steigeisen wünschte, ging es hinab ins und dann durchs
Fuchskar zurück ins Hornbachtal. Nach einem kleinem Nickerchen mit köstlichem,
eiskaltem Quellwasser und Blick auf den Gipfel gab es einen Speed-Abstieg und ein mehr als
wohlverdientes Radler. Die Aktion hatte mit ihren dank Fuchskargegenanstieg 1710 Höhenmetern (rauf, und natürlich alles wieder runter) trotz der Pausen 8,5 Stunden gedauert, ausgewiesen war dies als reine Gehzeit. Dank der frühen Startzeit blieb auf dem teilweise
staubigen Heimweg noch etwas Zeit für
die eine entspannte oder
andere schweißtreibende Dose :)
Und jetzt steht hier in Ulm mit "
Groundspeaks Vermächtnis" ein weiteres, ganz aktuelles Projekt an... dank
des Teasers mit Prio 1!