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Dienstag, 22. Dezember 2009

59 Minuten Bestandskundenpflege

Geschrieben von um 23:43
In den letzten Wochen habe ich der Deutschen Bahn einen vierstelligen Betrag in den Rachen geworfen. An die übliche 20 minütige Verspätung auf der Strecke Frankfurt-München habe ich mich eingestellt. Die Gründe dafür sind meist nicht nachvollziehbar ("hohes Streckenaufkommen", "Gleis im Zielbahnhof belegt", usw.), und lösen nur resignierendes Kopfschütteln unter den vornehmlichen Vielfahreren auf der Strecke aus. Gestern summierte sich diese Faktoren auf eine dicke Verspätung auf. Ich war nicht amüsiert, wollte ich doch den Abend in München noch für etwas anderes nutzen. Ich verließ den Zug auf einen notdürftig und mehr schlecht als recht vom Schnee befreiten Bahnsteig. Der Zug war so lang, dass ich weit außerhalb der überdachten Halle des Münchner Hauptbahnhof aussteigen konnte. Am "Service Point" reihte ich mich in die Schlange der versetzten Fahrgäste der Doitschen Bahn ein. Nach 20 Minuten war ich an der Reihe. (Es war zwischenzeitlich halb zehn Uhr, abends, mein "Feierabend" anstelle der geplanten Abendaktivität): Ich würde gerne den Gutschein für die einstündige Verspätung abholen. (Süffisantes Grinsen des Uniformierten): Aha, für welchen Zug denn? (Nice try - für den gleichen wie die 300 Leute vor mir?!) Den ICE 723. (Süffisantes Grinsen des Uniformierten): Der hatte nur (Anmerkung des Reisenden: WHAT THE FUCK!) 59 Minuten Verspätung. So steht's im System. Da gibt es keinen Gutschein. Das ist EU-Recht. Das können Sie nachlesen!

So ist das also. Nur 59 Minuten auf einer drei Stunden Strecke. Und wird noch mit einem EU-Brückenpfeiler gewunken. Welch klare Aussage mir als Kunden gegenüber, der die übliche 20-minütige Verspätungen unter Usus verbuchen darf. Die Bahn wiegelt derweil wegen einer Minute ab und weiß, dass ich Abends ein Rückfahrticket kaufen muss. Mit dem kollektiven Aggressionspotential hätte man Kriege gewinnen können!

Von der Ventil-Lösung aka "schriftliche Fahrgastrechteeingabe" aka "für Ablage Papierkorb" machte ich noch Gebrauch. Schlappe 49 Felder waren auszufüllen für eine schäbige übliche schlichte Verspätung. Opportunitätskosten-aufbauen und cand. Formfehler deluxxe. Liest man das Kleingedruckte, welches sich über die ganze Rückseite zieht, wird einem so manches klar über den Status Quo dieses Unternehmens. So wird Zeitkarteninhabern maximal 25% des Wertes ihrer Zeitkarte erstattet. Welch' Aussage - förmlich sichtbar wie Anfangs tausende Pendler Rückzahlungen in doppelter und dreifacher Höhe ihrer Monatskarten erhielten...

So also sieht die Bestandskundenpflege im Jahr 2009 bei der Deutschen Bahn aus. Schauen wir mal, was aus meiner "Anfrage" wird. Ich berichte. Nur der grandiose Föhnblick aus dem Fenster beruhigte mich übrigens :) Auf dem Rückweg München-Frankfurt hielten wir (noch halbwegs pünktlich) auf der Main-Brücke an. Kurz vor den Ziel also wurde die obligatorische Verspätung eingefahren (Zielgleis belegt - der ICE war wie gesagt halbwegs pünktlich...hm?), so dass mir die S-Bahn zum Parkhaus trotz Aggro-Sprints über (ungeräumte) Bahnsteige natürlich und obligatorisch vor der Nase wegfuhr.
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