... oder auch: "Auf First-to-find-Jagd tief in Österreich".
Freitag: Aus dem Büro gehechtet, Klamottenwechsel, auf teils abenteuerlichen Wegen soweit rauf
wie ohne 4x4 noch eben möglich (fünf Kilometer im ersten Gang!), Hüttenzustieg während des Sonnenuntergangs
vor toller Kulisse, Absackerhalbe auf über 2.000 Metern in vollkommener Stille.
Samstag erreichten uns nach einem zeitigen Frühstück die ersten Sonnenstrahlen, als wir die
Hütte bereits hinter uns gelassen hatten. Vollkommen alleine stiegen wir das Kar hinauf.
Das Ziel jedoch entpuppte sich auch in schönstem Sonnenschein und beim zweiten Hinsehen als... hm... sagen wir mal: Hardcore :o Wir bildeten eine
3er-Seilschaft, wobei ich als Novize freundlicherweise in die Mitte genommen wurde. Alpines Klettern, das hatte ich noch nie gemacht. Mit einer gehörigen Portion Respekt lernte ich die Kommandos (Seil ein, Seil aus, Stand etc) kennen. Verblüffend, wie schwierig die Kommunikation auf eine Distanz von maximal Seillänge 50 Metern werden kann, wenn der Vorsteiger außer Sicht ist und man nicht genau weiß, was passiert, und einzig der Zug auf dem Seil signalisiert, das wohl alles ok ist. Nach drei Seillängen erreichten wir die Scharte, bis dahin war es dank der Sicherheit der Seilschaft ein angeregtes Klettern und ich war zuversichtlich, dass ich auf den Gipfel kommen würde. Im Kletterführer hatte ich gesehen, dass der Normalweg irgendwie von unserem Route aus gesehen von "hinten" auf den Turm hinaufführen würde.
So.
Hier stehen wir also in der Scharte, und "hinten" ist in diesem Bild die linke Seite. Ich musste schlucken. Mehrfach. Wir zur Hölle sollte ich da hinauf kommen? Vor allem da klar war, dass jetzt die Seillängen nicht mehr als 2, sondern bis zu 4- eingestuft waren. Unserer Erfahrenster wechselte in den Vorstieg, ich klärte noch einige grundlegende Fragen ("
Was mache ich wenn ich falle? Was mache ich mein Nachsteiger fällt? Was mache ich wenn ich nicht weiterkomme? Und was für ein kranker Scheiß ist das hier überhaupt?"). Dann besann ich mich auf die alte Hardcorecachermaxime:
Nihil expedit - es hilft ja nix und ging den Normalweg hoch. Den Normal(!?)weg.
Die
wenigen Standplätze mit mehr als zwei Fingerbreit Fels unter den Fußspitzen waren gern genutzte Regenerations- und in die Topo-Schauen-Orte. Der
Vorsteiger verlegte das Seil, Meter für Meter kämpften wir uns hinauf und ich schaute eher selten nach unten ;) Kurz vor dem Gipfel packte uns dann der Gipfelsturm und auch
die letzten Meter wurden einfach weggeatmet. Und dann waren wir oben, 500 Meter über der Hütte. Erste Maßnahme: Alle Mann ans Gipfelkreuz anbinden, das Plateau passten wir zu dritt noch drauf, mehr Platz war nicht, und es ging überall doch recht steil runter ;)
Mit schwer beschreibbarer Freude hielten wir das Döslein in der Hand, und, wir waren die ersten Finder!
Ein unvergesslicher FTF.
Nachdem
die bestellten Kaltgetränke leider an uns vorbeiflogen gab es plötzlich Geräusche unter uns, mal über die Kante gelunst,
huch, da kommt wer! Unten am Einstieg war eine größere Gruppe zu erkennen, was auch deutlich macht, dass es doch recht senkrecht rauf geht... Also, dann mal wieder runter. Dass wir uns abseilen würden wusste ich vorher und dass war ja nun mal fast Business as usual.
Abseilen am Doppelseil war mal was anderes als mit dem Grigri. Spannend wurde es, als ich mich zwei Seillängen als erster abseilte. Herausforderung war es innerhalb der verfügbaren 25 Meter (50 Meter-Seil doppelt) einen weiteren Standplatz zu finden. Zug um Zug,
Standplatz für Standplatz, ging es wieder hinunter.
Der Kaiserschmarrn-danach war ein Genuss. Was ein Abenteuer.