Manch einer spricht davon, wir gehen
dahin da runter - nihil expedit :)
Natürlich erfordert eine der wohl heftigsten Schachthöhlen Deutschlands zunächst ein Warm-Up, in diesem Fall erstmal im Hellen mit einigen üblichen Verdächtigen im (noch) heimatlichen Ulm. An der Location heisst es ebenfalls:
Nur nichts fallen lassen... (weitere solcher
tollen Impressionen gibt's
hier)!
Ortswechsel! Nach wie vor im Nebel den unscheinbaren und
schwer gesicherten Kellereingang im Nirgendwo des Albtraufs gefunden. Und los ging es. Materialsack um Materialsack ließen wir hinunter in die Eingangshalle und stürzten uns dann hinterher. In unseren Augen sehr großzügige sieben Stunden umfasste unsere telefonisch hinterlegte Totmannschaltung. Schon recht tief in den Tiefen der Alb wurde beim Erreichen des Ende des ersten 30m-Statikseils das
schwarze Endlosmonster freigelassen... sollten die hundert Meter nun bis nach ganz unten reichen?
Überall Löcher, Schächte, Spalten, Schlufe, Hallen... dank letzter Instruktionen beim Warm-Up und eines Ortskundigen in der Seilschaft fanden wir uns in diesem Labyrinth recht gut zurecht.
Alter Schwede, je
tiefer es hinab ging, inkl.
Gegenanstiegskraxeleien, desto
tighter enger wurde es. Ich ärgerte mich, den Industriegurt anstelle des Klettergurtes mitgenommen zu haben. Wieder 3-4mm mehr um die Hüfte. Etwas haarig wurde es kurz vor der großen Halle im sogenannten
Kameradenschacht, wo sich man im Seil hängend u.a. von einem vertikalen Schacht
in einen anderen wechseln musste... Wenn der Kopf als unflexibelste Extremität durch ist, muss der
Rest vom Körper hinterher. Irgendwie, aber
nur nicht stecken bleiben. Da passte ich so eben durch, mit viel ruckeln, fluchen und blauen Flecken. Das "wie-zur-Hölle-soll-ich-da-wieder-rauf" wurde erfolgreich mit wiederholtem "Es-hilft-ja-nix" übertüncht ;) Es sollte aber noch besser kommen... Kritisch in diesen extremen Engstellen ist auch die Bedienung der Ausrüstung. Da wird dann auch schonmal mit dem Kinn am Grigri rumgedrückt...
Der Einstieg in die große Halle - man rutscht mehr oder weniger von der Decke hinein in eine letzte lange, freie Abseilstrecke - war einfach nur beeindruckend.
Hier sieht man gut 20 Meter senkrecht unter mir das Bodenpersonal ;) Faszinierend dass wir schon jetzt, kurz vor Beginn der Wintersperre, tatsächlich Fledermäuse da unten entdeckten. 70 Meter unter der Erdoberfläche, in diesem extremen Gewirr aus engen Schächten! Wie finden die da rein und wieder raus?
Nach
Fotosession und dem obligatorischem Stempel im alternativen Höhlenbuch ;) dampften wir wieder rauf, wobei manche
vertikale Engstellen am Seil schon ein
ok ich stecke fest keine Panik keine Panik keine Panik ruhiges Vorgehen erforderten.
Im letzten Drittel des Aufstiegs liefen wir auf die Höhlenforscher mit anstrengendem Dialekt auf. "Joah verbibschd wos is denn dos" - hatten die doch beim Aufsteig unser zweites Seil abgebaut und mitgenommen! Wir konnten denen gerade nochso hinterherbrüllen und unser Seil zurückfordern - sonst hätten wir ein "kleines" Problem gehabt. Nach sechs Stunden erreichte unser
Mini-HCC-Rudel gut bedient wieder die Oberfläche dieses Planetens. Nach Lesen der Logs der vorherigen Aspiranten, von denen ein Drittel das Unterfangen abbrechen musste, hat mich rückblickend unser routiniertes, konzentriert-entspanntes und gegenseitig unterstützendes Vorgehen beeindruckt. Das Grinsen im Gesicht dauert an - im 23. UG fand ich übrigens meine 1250ste Dose.
PS. Achtet mal drauf wenn ihr das nächste Mal die A8 Stuttgart-Ulm fahrt. Kurz nach der Aufteilung der Fahrbahnen am Albtrauf rauscht ihr über die Todsburger Brücke. Etwas bergauf findet ihr den Eingang ;)